Schmerzhafter Aprilscherz

Mit nahezu 100%er Wahrscheinlichkeit konnte man davon ausgehen, dass mein Vater an jedem 1. April einen Schabernack ausheckt. Mein Bruder (14) und ich (10), wollten wir ihm das mit gleicher Münze heimzahlen. Damals haben wir uns bereits im Januar mit Eifer an die Planungen gesetzt, was wir machen könnten, ohne dass Papa es bemerkt. Es war nicht nur so, dass er uns reinlegte, nein, er hatte auch einen Riecher dafür, wenn man einen Aprilscherz auf seine kosten plante und machte uns fast immer einen Strich durch die Rechnung. Nun begab es sich, dass wir uns eines Abends heimlich einen Film anschauten: „Die große Flucht“, wo es darum ging, einen Fluchttunnel aus einem Gefangenenlager zu graben. In einer Szene sahen wir dann unseren Aprilscherz: Um den Fluchttunnel abzustützen wurde alles Holz hergenommen, dessen Fehlen man vor den Wachen verheimlichen konnte. Wir bogen uns vor lachen, als im Film ein Gefangener durch sein Bett brach, weil jede zweite Latte im Lattenrost fehlte. Als am 1. April Papa auf der Arbeit war, machten mein Bruder und ich uns ans Werk. Die Matratze runter vom Bett, eine Latte je am Kopf- und Fußende sowie eine in der Mitte wurden übrig gelassen, damit die Matratze noch hielt. Den Rest versteckten wir im Zimmer meines Bruders. Dann warteten wir gehässig auf die Nacht. Was wir nicht bedacht hatten war, dass meine Eltern ein erhöhtes Bettgestell hatten. Ich gehe davon aus, dass mein Vater, voller Elan ins Bett gehupft ist. Den lauten Aufschrei werteten wir zuerst als Erfolg. Als wir jedoch voller Vorfreude auf sein Gesicht um die Ecke ins Schlafzimmer lugten sahen wir, dass unsere Rechnung zwar aufgegangen war und unser Vater tief im Bett auf dem Boden saß, doch das Lachen verging uns als wir feststellten, dass Papa sich an einem scharfen Winkel, der aus dem Metallteil des Lattenrostes herausstakte, den Ellenbogen blutig aufgerissen hat. Es sah schlimmer aus als es war, doch die Wunde musste genäht werden, die Matratze war blutbesudelt, eine Latte war gebrochen und Vater und Mutter stinksauer. Da der Ausgang des schmerzhaften Scherzes nicht gewollt war und wir einen Teil am neuen Bett, der neuen Matratze und dem neuen Lattenrost mit unserem Taschengeld freiwillig bezahlten, denn wir hatten ein mordsmäßig schlechtes Gewissen, bekamen wir keine Strafe und sogar ein Lob von Papa für unseren Einfallsreichtum. Seitdem achte ich bis heute drauf, dass in meinen Aprilscherzen für meine Familie, keine Betten auftauchen.

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